Warum Achtsamkeit?

Mit Achtsamkeit ist eine bestimmte heilsame Haltung und Daseinsweise gemeint. Sie wird durch regelmäßige Übung zunehmend verinnerlicht und verwirklicht. Die heilsame Wirkung von Achtsamkeit entsteht durch ein Zusammenspiel von Qualitäten wie:

  • Wach! und geistesgegenwärtig leben: Da sein!
  • Offen und gewährend sein mir selbst gegenüber
  • Freundlich zu mir sein und mich akzeptieren
  • Innehalten und mich tiefer kennenlernen

Zunächst bedeutet achtsam sein, wach und präsent, gegenwärtig zu sein. Achtsamkeit üben heißt zu lernen, im gegenwärtigen Augenblick ganz da sein zu können. Anstatt über die Vergangenheit zu grübeln oder sich übermäßig über die Zukunft zu ängstigen. Anstatt der Gegenwart ausweichen zu wollen, weil man sich ihr nicht gewachsen fühlt. Achtsam sein, das heißt den gegenwärtigen Augenblick wirklich zu leben. Voll und ganz anwesend zu sein im Hier und Jetzt, mit allem, was mich ausmacht. Sich der Intensität des Augenblicks zu stellen.

Achtsamkeit beinhaltet, offen zu sein für all das, was auch immer in der Erfahrung, im Bewusstsein auftaucht. Keine Auswahl mehr darüber zu treffen, was ins Feld der Aufmerksamkeit geraten darf und was nicht. Die Haltung der Achtsamkeit ermöglicht es, alle Zustände zu erfahren und mit ihnen zu arbeiten. Offenheit und die volle Erlaubnis, genau so zu sein wie man ist, macht dies zunehmend möglich.

Diese Öffnung und grundlegende Offenheit bringt es oft mit sich, ungeliebten oder verdrängten, unterdrückten Seiten der eigenen Person zu begegnen. Selbst-Verurteilung macht krank. Achtsamkeit üben heißt auch, eine Grundhaltung von Freundlichkeit und Akzeptanz sich selbst gegenüber zu entwickeln. Das ist meist sehr heilsam.

Achtsamkeit, das ist der Gegenpol zu stressgetriebener Impulsivität und blindem Re- Agieren. Gegenwärtigkeit, Offenheit und freundliche Akzeptanz nehmen zu. Es wird möglich, innezuhalten und ein tieferes Verständnis für sich und seine Erfahrungen zu gewinnen. So kann aus ,impulsivem Reagieren' immer häufiger ein ,intentionales Antworten' werden.  

„Das Vermögen, eine wandernde Aufmerksamkeit willentlich zurückzubringen, wieder und immer wieder, ist die eigentliche Wurzel von Urteilskraft, Charakter und Wille. Niemand ist bei klarem Verstand, der dieses Vermögen nicht besitzt. Eine Erziehung, die dieses Vermögen ausbildet, wäre die Erziehung par excellence.“

William James, Die Prinzipien der Psychologie (1890)

Achtsamkeitspraxis ist jedoch nicht einfach eine Konzentrationsübung oder Entspannungstechnik. In ihrem ursprünglichen Entstehungskontext war sie immer verbunden mit der Entwicklung von Mitgefühl mit uns und anderen und mit dem Anliegen der Selbsterkenntnis zugunsten der Befreiung von leidvollen Zuständen.